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 In Deutschland, und besonders auch international wurde das Buch sehr gut empfangen und verkauft. (es wurde in dieser Hinsicht oft mit Günter Grass' Blechtrommel und Patrick Süsskinds' Das Parfüm verglichen). Das Buch wurde in mindestens 25 Sprachen übersetzt, und von der deutschen Auflage (Erscheinungsdatum: 1995), wurden über 500.000 Exemplare verkauft. In den U.S.A. erreichte die englische Übersetzung des Buches zwischen 1997 und Ende 1999 sogar 1.8 Millionen verkaufte Exemplare.

Die Rezeption des Vorlesers in Deutschland

Der positive Empfang, bei den Lesern sowie auch bei den Kritikern, der dem Vorleser in Deutschland zuteil wurde, war für den Autor selbst eine Überraschung,
Bernhard Schlink mit Friede Springer vom Springer-Verlag beim Empfang des Welt-Literaturpreises
weil er sein Buch als "politisch inkorrekt" betrachtet hatte und negative Kritiken erwartet hatte (er hatte befürchtet, daß seine menschliche Darstellung Hannas mißverstanden werden konnte). Marcel Reich-Ranicki, einer der prominentesten deutschen Literaturkritiker, gab dem Buch eine sehr positive Empfehlung im Literarischen Quartett (eine deutsche Fernsehsendung), und die meisten anderen Kritiken blieben gleichfalls positiv. Der Vorleser gehört inzwischen sogar zur Pflichtlektüre in Gymnasien und erhielt auch andere Auszeichnungen wie z.B. den Literaturpreis der Zeitung Die Welt. Der Erfolg des Buches läßt sich teilweise dadurch erklären, daß es den Anspruch auf literarische Seriösität mit einer einfachen, leserfreundlichen Schreibweise vereint.

Einige von den vielen Interpretationen und Meinungen über den Vorleser:

  • Der Vorleser ist ein "Gleichnis auf das [...] Verhältnis der Nachkriegsdeutschen zur im Verborgenen weiter existierenden Wirklichkeit der Nazizeit" und auch ein [...] Selbstgespräch des Autors über den Umgang der Deutschen mit Schuld und Sühne" (Stölzl, Die Welt)
  • Viele der Kritiker sahen das Buch im Licht von Hanna Arendts Begriff der "Banalität des Bösen". So z.B. Claus Ulrich-Bielefeld in der Süddeutschen Zeitung: "Schlink erzählt eine Geschichte, in der sich das Monströse und das Banale untrennbar mischen." 
  • So auch die Kritik in der Neuen Zürcher Zeitung: "Schlink führt die Banalität des Bösen in seinem Alltagsgesicht von Eitelkeit und Schwäche vor." Gleichzeitig aber fand auch die Liebesgeschichte beachtung: gehört zur Kategorie der "amours fous".
  • Einige Kritiker betrachten den Vorleser allgemeiner, als Beitrag zum "Selbstgespräch der Menschheit über die fundamentalen Dinge des Lebens"
  • Die Sprache wurde auch besonders beachtet und als "schnörkellose Erzählweise" (N.Z.Z.) oder als "einfühlsam und transparent" (Frankfurter Allgemeine Zeitung) gelobt.
  • Es gab nur wenige negative Kritiken. Claus Ulrich-Bielefeld (S.Z.) meint, daß der Horror des Nazi-Regimes nicht bildhaft genug dargestellt ist, und daß die Erzählweise "betulich und umständlich" ist.

Die Rezeption in Amerika

Bernhard Schlink spricht über den Vorleser in Oprahs Talkshow.

Die bekannteste Empfehlung in Amerika erhielt der Vorleser durch die Aufnahme in Oprah's Book Club und durch die Vorstellung des Buches und des Autors in der Talkshow der Fernsehmoderatorin Oprah Winfrey (März 1999), was den kommerziellen Erfolg des Romans in Amerika weitgehend bestimmte. Die Diskussion in der Show thematisierte aber mehr die Liebesbeziehung zwischen Hanna und Michael (ist es sexueller Mißbrauch?) und weniger den Holocaust. Es wurde aber auch bemerkt, daß Hanna im Buch als gewöhnlicher Mensch und nicht als stereotyper Nazi-Täter dargestellt wurde.

Aber auch vor dieser Empfehlung wurde das Buch von den Kritikern im allgemeinen sehr positiv empfangen. Das Buch wurde oft als origineller und wertvoller Beitrag zur Literatur der "Vergangenheitsbewältigung" eingestuft (Suzanne Ruta, New York Times). Positiv betrachtet wurde die Methode Schlinks, dem Leser Fragen zu stellen, ohne Klischees oder leichte Antworten auf diese Fragen zu geben. Über diese Fragestellung meint Richard Bernstein im New York Times: "It is a mark of Mr. Schlink's depth and honesty that he makes no effort to resolve it."

Auch Eva Hoffmann meint im New Republic: "Schlink is astute about the postures adopted by his contemporaries toward the Holocaust: the reduction of the catastrophe to a few dark images, the injunction not to 'compare the incomparable', the temptations of facile identification or righteousness."

Über die Erzählweise des Buches wurde besonders anerkannt, daß es einen einfachen Stil mit einer komplexen Problematik vereint. "Mr. Schlink tells this story with marvelous directness and simplicity", meint R. Bernstein und bezeichnet das Buch auch als "arresting, philosophically elegant, morally complex".

Es gab natürlich auch einige weniger positive Kritiken (Eva Hoffmann). Sie glaubt, dass Schlink eine Verbindung zwischen Unwissenheit und Brutalität verknüpft, die sie als eine schwache Voraussetzung für einen Roman sieht. Indem Der Vorleser an ausreichenden Beschreibungen Hannas Arbeit als Aufseherin bei der SS mangelt, spricht dieser Roman die destruktive Seite der menschlichen Seele nicht adäquat an.

Multimediaclips zur Rezeption

Fragmente aus Oprah Winfreys Talkshow (mit Bernhard Schlink). Um diese Clips sehen zu können benötigen Sie den RealPlayer.

Einführung zu Bernhard Schlink

Wie fanden Oprahs Leser und Leserinnen den Vorleser?

Schlink beantwortet Fragen über sein Buch.

 

 
 

Andere interessante WWW-Seiten:

Lesen Sie, was andere Leser über das Buch zu sagen hatten:

Oder lesen Sie die im New York Times aufgeführten Fragen über den Vorleser.

Tom Koelbl, Lucian Orbai und Alex O'Rourke

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