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Geschichtlicher Hintergrund | Zur Rezeption
Bernhard Schlink als Wissenschaftler und Pädagoge Schlink ist 1944 in Bielefeld geboren und in Heidelberg aufgewachsen. Als junger Mann wollte er natürlich Dichter werden oder sich mindestens mit Philosophie, Geschichte und Soziologie beschäftigen, hat sich aber für Jura entschieden, da es ihm gefiel, daß die Sachen in Jura "immer wieder auf den Punkt zur Entscheidung gebracht werden müssen". Er studierte in Heidelberg und an der Freien Universität Berlin, promovierte über die "Abwägung" [Angleichung] im Verfassungsgericht [Constitutional Court of Justice] und schrieb später beim Verfassungsrichter Böckenförde seine Habilitation [professor's inaugural dissertation] über die "Amtshilfe". Seine erste Professur für Verfassungs- und Verwaltungsrecht erhielt er an der Universität Bonn. Bernhard Schlink ist nicht nur Wissenschaftler, sondern auch leidenschaftlicher Pädagoge, der sogar an gemeinsamen Theaterspielen mit den Studenten teilnimmt. Wegen seinem politischen und gesellschaftlichen Engagement lehnte Schlink 1990 eine Berufung nach New York ab, um mit anderen Bürgerrechtlern [human-rights activists] und akademischen Reformern der Noch-DDR am Runden Tisch [eine Diskussion, wo verschiedene Lobbies und Interessen repräsentiert sind], die kommunistischen Juristerei an der Humboldt-Universität zu Berlin zu reformieren. Heutzutage ist Bernhard Schlink dort als Professor
für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie tätig und seit 1987
hat er auch einen Ruf als Verfassungsrichter [Constitutional
Judge] in Münster.
1987 machte Schlink mit dem Krimi "Selbs Justiz" sein Debut als Schriftsteller,
und bereits 1991 wurde der Roman unter dem Titel "Der Tod kam als Freund"
von Nico Bernhard Schlink als Schriftsteller Obgleich Bernhard Schlink durch Der Vorleser und seine Kriminalromane auch als Schriftsteller erfolgreich wurde, fühlt er sich seinen Studenten am nächsten . Wenn er gefragt wird, ob er sich lieber als Professor oder als Schriftsteller sieht, antwortet er: „Eindeutig Professor." (Der Spiegel, Januar 24, 2000, s.180) So ist das schreiben nur ein kleiner Urlaub vom Lehren. Schreiben fällt Schlink aber leicht. "Ich habe als Schüler und Student geschrieben. Dann war meine Hoffnung, daß sich die Freude am Schreiben im wissenschaftlichen Schreiben erfüllt. Und das klappte auch einige Zeit, und ich schreibe auch immer noch gern wissenschaftlich. Aber es fehlte mir doch etwas." Mit dem Erfolg von Der Vorleser
würde man denken, daß Schlink seinen Job als Professor beenden
würde, um ausschließlich zu schreiben. Aber für Schlink
ist Schreiben nicht seine Leidenschaft. "[Ich schreibe gern], wenn ich
Zeit habe, einen Tag ohne Termine, wenn Schreiben kommt aber immer nach Lehren. Während des Semesters hat er die Muße zum Schreiben fast nie. Er schafft es dann nur, sich Notizen zu machen. Es passiert ihm auf dem Weg zur Uni, auf dem Fahrrad oder sogar während einer Vorlesung, daß ihm eine Idee, oder eine Lösung einfällt. Dann notiert er sie das wo auch immer: auf der Parkbank, im Zug, überall. Schlink schreibt nur nach tiefem Nachdenken. Er lebt in seinen Geschichten. "Ich phantasiere gern Geschichten, ich lebe ein Stück weit in ihnen." Aber schreibt er nur wenn seine Ideen weit entwickelt sind. "Wenn ich eine Geschichte so weit im Kopf habe, daß ich denke: Jetzt stimmt der Plot – schreibe ich überhaupt." Schlinks Schreibprozeß unterscheidet sich sehr von dem der anderen modernen "Bestseller"-Autoren. Er schreibt noch mit der Hand. „Ich schreibe mit dem Füllfederhalter, korrigiere damit, streiche durch, schreibe neu. Irgendwann diktiere ich es auf Band und stelle mitunter dabei fest, daß die gestrichene Fassung doch die bessere war." Er meint, daß der Schritt des Lautlesens beim Diktieren wichtig ist. Im Gegensatz dazu hindert der Computer den Schreibprozeß. "Beim Computer ist doch das Problem: Was immer Sie hinschreiben, sieht gleich perfekt aus." Nach einer erfolgreichen Karriere als Schriftsteller von Kriminalromanen, probierte Schlink einen neuen Stil. "Eine Freundin hat mir einmal gesagt, ich schriebe alles mit der gleichen Ernsthaftigkeit. Mir war das nicht aufgefallen. Aber es stimmt schon." Er unternahm ein Thema, das ihn lange wissenschaftlich beschäftigt hat – Schuld. "Die anderen Elemente kommen aus Gehörtem, Gesehenem, Erinnertem – wie genau sich das zusammenfügt, keine Ahnung." Schlink interessiert sich sehr für die Rezeption von Der Vorleser in verschiedenen Ländern und er sorgte sich, daß sein Buch in anderen Ländern nicht gut akzeptiert wurde. Er dachte, daß die Menschen im Ausland das Buch mißverstehen würden, weil sie sich mit dem Geschehen darin nicht identifizieren könnten. Während eines Vortrags in Stockholm, zum Beispiel, amüsierten sich die Schweden über das Schuldgefühl der Deutschen. Jedoch, obwohl die Menschen in verschiedenen Ländern das Thema von deutscher Schuld nicht besonders verstehen, können sie die Themen der Liebesbeziehung nachvollziehen. Schlink schreibt Der Vorleser nicht wegen des Erfolgs, sondern um "eine andere Geschichte" zu schaffen. Er machte den Genrewechsel nur, um etwas anderes als Krimis zu schreiben. Was er schaffte, wurde zu einem Phänomen seiner Generation. "Der Erfolg [von Der Vorleser] ist in meinem Kopf noch gar nicht wirklich angekommen," sagt Schlink. Bernhard Schlink in Amazon.de: Geschichtlicher Hintergrund | Zur Rezeption Verfassung: Zori Batchvarova, Katerina Garcia-Sjogrim, Chad Salmela |
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